Suche
  • ArcheoPix

Dürfen wir deine Fotos veröffentlichen?


....in den seltensten Fällen sagt ein Fotograf bei so einer Frage "Nein". Jedoch müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Wenn ich mich in der letzten Zeit mit Kollegen unterhalte, welche ebenfalls öfter im Konzertfotobereich unterwegs sind, werden immer wieder die gleichen Probleme benannt: Bands bedienen sich freigiebig an ihren Fotos - oft ohne zu Fragen. Im besten Fall werden sie als Urheber benannt. Im schlechtesten Fall, wird ein evtl. vorhandenes Wasserzeichen im Foto durch beschneiden entfernt. Nach deutschem Recht ein klarer Fall von Urheberrechtsverletzung.

Einige Kollegen gehen freundlich auf die jeweilige Gruppe zu und suchen den Kontakt:

Viele Bands reagieren äußerst allergisch, wenn sich Fotografen beschweren. Immer wieder gern genannte Argumente sind dann:

"Du hast mich ohne zu Fragen fotografiert."

"Recht am eigenen Bild"

"Wir dachten du würdest dich freuen, wenn wir deine Fotos teilen."

"Wir haben deinen Namen ja auch genannt."

"Wir verdienen fast nichts mit unseren Konzerten, aber ihr wollt das große Geld mit Fotos von uns machen".

1. Muss ich einen Musiker fragen ob ich ihn fotografieren darf ? Gilt das "Recht am eigenen Bild" ?

In Deutschland gilt: Jede Person hat das Recht auf informelle Selbstbestimmung. In § 22 KunstUrhG heißt es: "Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. (...) " Dies betrifft vor allem Privatpersonen und den Schutz der Privatsphäre. Doch in dem Moment, wenn ein Musiker eine Bühne betritt oder auf der Straße seine Gitarre auspackt und mit der Darbietung beginnt, ist er keine Privatperson mehr. Er wird zur Person der Zeitgeschichte. Darum greift für die Band bzw. den Musiker eine der in § 23 KunstUrhG genannten Ausnahmen: "Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden: Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte"

Gerade das Argument "Zeitgeschichte" ist für viele Bands, die eher im semiprofessionellen Bereich agieren bzw. gerade aufstrebend sind, nur schwer zu verstehen. Sie denken, sie machen das aus Hobby bzw. Nebenverdienst. Doch selbst wenn "nur" ein Fotograf der Lokalpresse oder des hobbymäßig herausgegebenen Gemeindeblattes anwesend ist, ist eine Form der Zeitgeschichte bzw. des "öffentlichen Interesses" gegeben.

Ohne Frage ist es "guter Stil" wenn ich auf der Straße einen Straßenmusiker anspreche und frage ob ich ihn fotografieren darf, bzw. ihm nach seiner Darbietung die Fotos zeige, Die "Frage" nach der Einwilligung des fotografiert werdens bei Konzerten in Clubs, Arenen oder Stadien gilt meines Erachtens in dem Moment als getan, wenn ich vom Veranstalter, der Location oder der Band akkreditiert werde. Somit bin ich dann auch legitimiert die Fotos zu veröffentlichen.

Eine Band oder ein Management kann jedoch in einer zu unterschreibenden Vereinbarung gewisse Bedingungen festlegen. So ist es bei einigen Künstlern üblich den Weiterverkauf für Merchandisezwecke zu untersagen oder die Veröffentlichung nur für ein bestimmtes Medium freizugeben.

Die Urheberrechte des Fotografen können jedoch per Gesetz nicht ausserkraft gesetzt werden. So darf die Band z.B. nicht verlangen, dass die Fotos nach Konzert kostenlos zur freien Nutzung abzugeben sind. Man darf drum bitten, aber eine Bedingung darf es nicht sein. Rechtlich sind diese Vereinbarungen jedoch höchst umstritten und nicht abschließend bewertet. Später dazu einmal mehr.

2. "Wir dachten du freust dich"

Selbstverständlich freut sich ein Fotograf wenn er seine Fotos veröffentlichen kann bzw. sie veröffentlicht werden. Ich finde es jedes Mal wieder spannend zu entdecken, wo meine Fotos genutzt worden sind. Doch freue ich mich nicht, wenn ich sehe, dass ein Foto ohne jede Absprache einfach mal so genutzt wurde.

Eine Band verlangt, dass der Fotograf fragt, ob er sie fotografieren darf. Andersherum, denken sie in der Position zu sein, die Fotos dann ohne zu fragen zu veröffentlichen.

In einer Zeit, in der Smartphones qualitativ durchaus hochwertige Fotos herstellen können, in der Spiegelreflexkameras für den Normalverbraucher erschwinglich geworden sind und in der jeder alles auf sozialen Netzwerken teilen kann, ist es für junge und "kleine" Bands durchaus lohnenswert, wenn Fotos von ihren Konzerten dort auftauchen. Sicher gibt es viele Hobbyfotografen, die ihre Fotos kostenlos zur Verfügung stellen.

Doch da liegt das Problem. Einmal die "Gratis-Mentalität" und Menschen, die diese noch freigiebig bedienen. Was habe ich da schon für Diskussionen geführt...am ehesten kommt das Zitat: "Ich muss mit den Fotos nichts verdienen - ich hab ja meinen Job". Da liegt die Crux auf Fotografenseite. Wenn jeder Fotograf, nur einen Euro für sein Foto verlangen würde, dann wäre dies schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Fotografen, die mit dem Fotografieren von Bands und Konzerten ihren Lebensunterhalt verdienen, sind schon fast dazu gezwungen einen Anwalt einzuschalten. Das deutsche Urheberrechtsgesetz ist auf ihrer Seite - nach § 32 UrhG muss dem Fotografen für seine Arbeit bzw. die Nutzung seiner Arbeit eine angemessene Vergütung zustehen.

Nein liebe Bands und liebe Musiker: der kostenlose Eintritt in die Veranstaltung ist KEINE angemessene Vergütung für die Nutzung der Fotos.

3. "Wir haben doch deinen Namen verwendet."

Das möchte auch sein. Denn der Künstler macht sich haftbar, wenn er dies nicht tut. §13 des UrhG regelt, dass "der Urheber das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk (hat). Er kann bestimmen, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen und welche Bezeichnung zu verwenden ist." Das heißt, nur ich kann bestimmen ob ich eine Namensnennung will oder nicht. Nicht der Nutzer entscheidet, ob der Name genannt wird oder nicht. Geht der Nutzer des Fotos sogar soweit, ein Wasserzeichen im Bild zu entfernen oder zu beschneiden, dann verstößt er gegen §14 des UrhG.

4. "Wir verdienen fast nichts mit unseren Konzerten und ihr wollt euch mit Fotos von uns die Tasche voll hauen..."

Ich kann jedem Musiker einer semi-professionellen Band versichern, wir verdienen mit Fotos von euch und euren Konzerten seltenst das "große Geld". Zumeist reden wir ja von Onlineverwertungen. Hier bewegen sich die Preise meist im niedrigen zweistelligen Bereich. Wenn eine Band eher regional bekannt ist, sind es eher Lokalredaktionen die, sofern sie keinen eigenen Fotografen vor Ort hatten, Fotos kaufen. Und auch diese sind nicht unbedingt die Zahlkräftigsten.

Nimmt eine Band für ein Konzert 10€ pro Karte und es kommen 200 Besucher, hat sie schonmal 2000€ an Einnahmen. Ein Fotograf wird mit Sicherheit nichteinmal annähernd in diesen Bereich für den Abend kommen. Wenn das Benzingeld gedeckelt ist, wird es viel sein.

Liebe Bands, hört auf uns Fotografen als "geldgierige Schmarotzer" zu sehen. Die Meisten von uns besuchen eure Konzerte aus Liebe zur Musik und aus Spaß an der Sache. Ich kenne keinen Fotografen, der sich, freundlich angesprochen, weigern wird, ein Foto zu geregelten Konditionen zur Verfügung zu stellen. Niemand verlangt, dass ihr ihm tausende Euros für ein Foto bezahlen müsst. Es sollte einfach nur abgesprochen werden, wofür es genutzt wird. Wird es "nur" für Facebook genutzt oder sollen damit sogar Plakate gedruckt werden. Danach regelt sich eine "angemessene Vergütung".

Es wird Zeit, die "Gratis-Mentalität" zu überwinden und wieder für Qualitätsarbeit zu bezahlen.

*Noch ein abschließender Hinweis: Ich bin kein Anwalt - deshalb ist dieser Beitrag NICHT als rechtsverbindliche Beratung anzusehen!

#Konzertfotografie #Copyright #Bilderklau #Bezahlung #Urheberrecht

1,158 Ansichten0 Kommentare

© 2017 by Christian Grube. Imprint

  • Black Instagram Icon
This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now